Planungsgrundlagen Fliesen- und Plattenbeläge

Für die Planung von keramischen Wand- und Bodenbelägen sind verschiedene Grundregeln zu beachten, die sich zum Beispiel auf die Formate oder Installationsauslässe oder auch die Wandaufbauten beziehen.

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Gut geeignet sind Fliesen als Bodenbelag im barrierefreien Bau, auch dort gibt es wichtige Regeln und Richtlinien. Eine wichtige Grundlage der Fliesenplanung hinsichtlich der Verlegung bilden die gewählten Formate.

Vielzahl von Formaten

Für Größe und Abmessungen von Fliesen gibt es in Deutschland keine Norm. Dies bedeutet zum einen eine riesige Auswahl, zum anderen aber auch anspruchsvolle Planungsleistungen vor allem dann, wenn verschiedene Fliesenformate gemischt verlegt werden sollen. Auch die Abstimmung von Wand- und Bodenfliesen ist nicht immer ganz einfach. In Deutschland üblich sind vor allem folgende Formate:

Vorzugsformate Wandfliesen (Nennmaß)

  • 10 x 10 cm
  • 15 x 20 cm
  • 18 x 18 cm
  • 13,5 x 19 cm
  • 15 x 22,5 cm
  • 20 x 25 cm
  • 20 x 33,3 cm
  • 28,4 x 40,8 cm
  • 30 x 60 cm

Vorzugsformate Bodenfliesen (Nennmaß)

  • 20 x 20 cm
  • 20 x 25 cm
  • 25 x 25 cm
  • 30 x 30 cm
  • 30,5 x 30,5 cm
  • 32 x 32 cm
  • 33 x 33 cm
  • 40 x 40 cm
  • 41 x 41 cm
  • 30 x 60 cm

Bezeichnung der Formate

Hinsichtlich der Bezeichnung der Formate werden weitgehend die Vorgaben des Fachverbandes „Fliesen und Naturstein“ anerkannt. Danach werden Fliesen, deren Fläche 0,25m² überschreitet, als großformatig bezeichnet. Einzelfliesen bis zu einer Kantenlänge von maximal 10cm werden als Mosaikfliesen bezeichnet, die Formate dazwischen sind sogenannte Kleinformate. Neben den genannten Formaten sind Fliesen als Bordüren, Sockelfliesen, Eckstücke und andere Formstücke erhältlich.

Bei der Formatangabe ist zwischen Nennmaß und Ist-Maß zu unterscheiden. Ersteres bezeichnet die theoretische Größe der Fliese und setzt sich aus der tatsächlichen Fliesengröße sowie der halben Fugenbreite zusammen. Das Ist-Maß dagegen gibt die tatsächliche Größe der Fliesen an. Verwirrung kann entstehen, wenn Fliesen aus Spanien oder Italien bezogen werden. Die Hersteller geben häufig das Ist-Maß an. Erkennbar ist dies in der Regel an einer „krummen“ Zahl.

Der Fliesenspiegel

Als Fliesenspiegel wird ein gefliester Wandbereich bezeichnet, der in der Küche im Bereich zwischen Hänge- und Unterschränken verlegt wird. Auch der geflieste Bereich rund um das Waschbecken oder das WC in der Gästetoilette wird als Fliesenspiegel bezeichnet. In erster Linie dient dieser Spiegel zur Versiegelung und leichten Pflege der Küchen- beziehungsweise Badezimmerrückwand. Je nachdem, welche Fliesen verwendet werden, entstehen verschiedene optische Gestaltungsvarianten.

Idealerweise kann der Fliesenspiegel mit einem geringen Maß an Verschnitt geplant werden, beim Küchenspiegel ist insbesondere zu beachten, dass die Dunstabzugshaube in der Regel etwas höher als die Unterkante Küchenschränke hängt. Dies muss bei der Anlage des Fliesenspiegels mit eingeplant werden. Fliesenspiegel hinter Toiletten- oder Waschbecken sollten so verlegt werden, dass das Fugenbild symmetrisch wirkt. In der Mitte des Spiegels oder in der Mitte des Beckens sollte eine Fuge verlaufen. Als Orientierung dienen hier jeweils die Installationsauslässe in der Wand.

Elektroauslässe und andere Öffnungen

Im Bereich der Elektro- und Installationsauslässe werden die Fliesen ausgeschnitten oder auch ausgespart. Ideal ist, wenn die Fugenführung harmonisch an die Lage der Steckdosen und Schalter angepasst ist. Grenzt der Auslass an eine oder mehrere Fugen, dann wird dadurch die Schneidarbeit an der Fliese erleichtert, bzw. reduziert. Für die Herstellung der Öffnung in der Fliese sind je nach Fliesenmaterial verschiedene Werkzeuge erforderlich:

  • Lochboy und Fliesenhammer für Steingutfliesen
  • Winkelschneider mit Diamantscheibe oder Nassbohrer mit Diamant Fliesenbohrkrone für Steinzeug und Feinsteinzeug
  • Löcher für Befestigungsmittel lassen sich nachträglich am besten mit Glasbohrern oder Fliesenbohrern mit Hartmetallspitze herstellen. 

Müssen Löcher in bereits verlegte Fliesen gebohrt werden, empfiehlt sich die Verwendung von Klebeband oder einem vorgebohrten Holzbrett als Schablone, um Ausfransungen und Absplitterungen an der Fliese zu vermeiden. Die einfachste (wenn auch nicht immer die optisch eleganteste) Lösung besteht in den meisten Fällen darin, die Bohrlöcher nicht in der Fliese, sondern in den Fugen zu setzen

Untergründe und Wandaufbauten

Generell lassen sich Fliesen auf allen tragfähigen Untergründen verlegen. Massive Wände und Fußböden sind ebenso geeignet wie Gipskartonwände oder Estrichelemente aus Gipsfaserplatten. Besonders gut geeignet sind Fliesen als Bodenbelag in Kombination mit einer Fußbodenheizung. Die Fliese selbst dient in diesem Fall als Wärmespeicherelement.

Der Untergrund muss vor allem bei Bodenfliesen vor dem Beginn der Verlegearbeiten ganz eben sein. Als Faustregel gilt: Je größer die Fliesenformate, umso ebener muss der Untergrund sein. Ein ebener Untergrund wird zum Beispiel durch einen Ausgleichsestrich oder durch Trockenestrich erreicht. Werden Estrichelemente verlegt, muss auf eine ausreichende Druckstabilität geachtet werden, da es sonst zu Rissen und Setzungen in den Fliesen kommen kann. Teilweise ist es auch möglich, in einem Schritt auszugleichen und zu verlegen. Dann werden die Fliesen im Dickbett- beziehungsweise Mittelbett verlegt. Vor allem bei Wandfliesen wird dieses Verfahren im Bereich der Sanierung immer noch angewandt. 

Fliesen auf Trockenbauwänden

Sollen Wandfliesen auf Trockenbauwänden verlegt werden, dann ist zu beachten, dass die verwendeten Materialien teilweise nicht feuchtigkeitsbeständig sind. Dies gilt zum Beispiel für Gipskartonplatten. Bevor mit dem Verfliesen begonnen wird, muss deshalb eine geeignete Grundierung erfolgen.

Die Tragfähigkeit der Wand

Der Fliesenfachmann ist weiterhin in der Pflicht, die Tragfähigkeit der Wand zu überprüfen. Dies geschieht über eine Inaugenscheinnahme nach DIN 18157, geprüft werden müssen der Abstand des Ständerwerks sowie die Dicke der Beplankung. Nach einem Merkblatt des Bundesarbeitskreis Trockenbau (BAKT) „Bäder im Trockenbau“ 20 mm nicht unterschreiten.

Bei schweren Wandfliesen, zum Beispiel Natursteinfliesen, sollte die Abstände im Ständerwerk verringert und die Anzahl der Befestigungsmittel der Beplankung erhöht werden. So wird die Tragfähigkeit bereits im Vorfeld abgesichert.

Barrierefreiheit

Aufgrund der demografischen Entwicklung in Deutschland kommt dem barrierefreien Bauen zunehmend eine größere Bedeutung zu. Eine barrierefreie Gestaltung der Wohnumgebung kommt jedoch nicht nur körperlich beeinträchtigten Personen zugute, nahezu jeder profitiert von der komfortablen Zugänglichkeit in den Wohnbereichen.

Fliesen sind in dieser Hinsicht ideal, da sich eine durchgängige Bodengestaltung ohne Absätze und Schwellen leicht realisieren lässt. Dies gilt natürlich vor allem im Sanitärbereich, aber auch in den Übergängen von Küche zu Ess- und Wohnbereich oder für den Zugang vom Wintergarten auf die Terrasse. Die Richtlinien für Barrierefreiheit im Wohnungsbau sind in der DIN 18040 festgehalten, die Anwendung der DIN wird über die Technischen Baubestimmungen der einzelnen Bundesländer geregelt.