Natursteinfliesen

Natursteinfliesen und Natursteinplatten sind ästhetisch, optisch und haptisch ansprechende Unikate, die einem Raum als Wand- oder Bodenbelag das gewisse Etwas verleihen. 

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Häufig werden die Naturprodukte auch als Dekorelement genutzt. Einordnen lassen sich die Fliesen hinsichtlich der Materialgruppen, daraus resultierender Eigenschaften wie auch der Abgrenzung zwischen Fliesen und Platten laut DIN. Beim Einsatz wie auch beim Verlegen von Natursteinfliesen und -platten sind einige Besonderheiten zu beachten.

Arten von Naturstein

Natursteine lassen sich insgesamt in drei Gruppen einordnen, die Unterschiede liegen im Alter des Gesteins wie auch in der Art der Entstehung.

Magmatisches Gestein (Magmatite)

Magmatisches Gestein (Magmatite) zu denen zum Beispiel der Granit gehört, fallen in die Gruppe der Erstarrungsgesteine und bilden die älteste Gruppe der Naturgesteine. Sie haben sich aus flüssiger Lava gebildet und haben ein besonders dichtes und hartes Gefüge. 

Sedimentgestein

Sedimentgestein wie Kalkstein oder Sandstein entsteht aus Ablagerungen, die sich im Wasser oder an Land abgesetzt haben. Sedimente sind deutlich jünger als Magmatite und um einiges weicher. 

Metamorphe Gesteine

Schiefer oder Marmor gehören zur Gruppe des metamorphen Gesteins. Dieses Gestein bildete sich aus Sedimentgestein, dass durch starken Druck oder große Hitze verwandelt wurde.

Natursteinfliesen und –platten und ihre Einsatzgebiete

Je nach Material haben Natursteinprodukte als Bodenbelag unterschiedliche Eigenschaften und sind für einige Einsatzgebiete sehr gut, für andere dagegen weniger gut oder gar nicht geeignet:

Blockquarzite

Blockquarzite sind metamorphe Gesteine, die vorwiegend aus Brasilien und Skandinavien importiert werden. Im Bereich der Natursteinwirtschaft werden Blockquarzite und Spaltquarzite unterschieden. Blockquarzite liegen in massiven Blöcken vor, die über ein Gatter oder eine Mehrblattsäge zu Natursteinfliesen und -platten verarbeitet werden. Quarzite bestehen zum Großteil aus Quarz, das zu den härtesten Gesteinsbildnern gehört. Als Fliese besitzt das Material eine hohe chemische Resistenz und sehr lebhafte und abwechslungsreiche Strukturen. Das sehr teure Material ist für den Innen- wie Außenbereich geeignet, wird aber aufgrund des hohen Preises meist für Dekorelemente oder in Bereichen gehobener Ausstattung genutzt. 

Brekziengesteine

Brekziengesteine besitzen eine unregelmäßige innere Struktur und dementsprechend nur eine geringe Biegefestigkeit. Das Material, das in Deutschland gehandelt wird, stammt vorwiegend aus Deutschland, Frankreich, Italien, Portugal und der Türkei. Um den Stein zu stabilisieren, wird oft Glasfasergewebe eingearbeitet, Verwendung findet das teilweise marmorähnliche Gestein als Dekorelement oder Wandbelag im Innenbereich.

Granit

Granit ist bekannt für seine große Härte, die hohe Abriebfestigkeit und die große chemische Resistenz. Abgebaut wird das Erstarrungsgestein weltweit, zum Beispiel in Deutschland, China, Frankreich, Polen oder Portugal. Granit ist für stark genutzte Bereiche als Bodenbelag geeignet. Neben der Verwendung als Natursteinfliese oder -platte kommt Granit als Pflasterstein im Straßenbau zum Einsatz.

Kalkstein

Kalkstein ist ein Sedimentgestein, in Deutschland wird mit Steinen aus dem Land, aber auch aus Frankreich, Italien, Österreich oder Schweiz gehandelt. Ebenso wie Marmor ist Kalkstein vergleichsweise wenig resistent gegen mechanische und chemische Einflüsse und sehr kratzempfindlich. Eingesetzt werden Fliesen und Platten im Innenbereich für Boden- und Wandbeläge wie auch Fensterbänke. 

Marmor

Marmor entstand aus ehemaligen Kalksteinvorkommen, die durch Erdbeben in die Tiefe gerutscht sind. Durch den hohen Druck wurde aus dem Sedimentgestein Kalkstein der metamorphe Marmor. Das Gestein kommt in verschiedenen Gegenden vor und wird oft nach seiner Herkunft bezeichnet. Besonders bekannt ist der Carrara-Marmor aus den apuanischen Alpen. Marmor ist kratz- und säureempfindlich und wird üblicherweise in Bahnen, mittlerweile aber auch in Fliesenform gehandelt und verlegt. Das häufig durchscheinende Material sollte generell mit weißem Kleber verlegt werden und ist aufgrund seiner Saugfähigkeit für Nassräume nur bedingt und nur mit einer wasserabweisenden Grundierung geeignet. 

Onyx

Onyx ist in vielen Gegenden der Welt, allerdings stets in kleinen Vorkommen, zu finden. Das für Natursteinfliesen verwendete Material ist genau genommen Onyx-Marmor. Kennzeichnend ist das große Farbspektrum von Weiß bis hin zu rötlichen Abtönungen. Farbschwankungen innerhalb einer Lieferung sind aufgrund der Schichtenabfolge keine Seltenheit. Durch die ausgeprägte Bänderung wirken die Steine sehr dekorativ und werden im gehobenen Ausbau meist als Wandbelag oder für Dekorelemente eingesetzt. 

Sandstein

Sandstein gehört zu den Sedimentgesteinen und wurde seit jeher traditionell in Deutschland abgebaut. Die Vorkommen sind allerdings mehr und mehr erschöpft. Die Variationen des Materials unterscheiden sich in Farbe und Art der Kornbindung. Eingesetzt wird das Gestein für massive Bauteile, wird das Gestein als Bodenbelag mit hoher mechanischer Belastung verwendet, eignet sich vor allem der härtere quarzitisch gebundene Sandstein. 

Schiefer

Schiefer entstand aus Ablagerungen von Tonmineralien. Die Oberfläche des Materials ist meist spaltrau, auffällig sind die hohen Biegezugfestigkeitswerte, die im Vergleich zu Granit drei- bis vierfach erhöht sind. Schiefer ist von Natur aus hydrophob und damit wasserdicht, dies verringert unter anderem die Schmutzempfindlichkeit. Natursteinfliesen und -platten aus Schiefer sind im Innen- wie im Außenbereich einsetzbar, allerdings hellt das Material durch UV-Einstrahlung deutlich auf. Neben dem Einsatz als Wand- oder Bodenbelag kommt Schiefer als Fassadenbekleidung oder Dacheindeckung zum Einsatz. 

Travertin

Travertin zeigt auf der Oberfläche offene Gesteinsporen. Das Material wird in Italien, Deutschland, Spanien, Türkei, Ägypten und im Iran abgebaut. Travertin kann im Innen- und Außenbereich eingesetzt werden, zum Verschluss der Poren ist eine Spachtelung erforderlich. 

Abgrenzung von Natursteinfliesen und –platten

Im Handel ist eine große Auswahl an verschiedenen Natursteinfliesen wie auch -platten erhältlich. Immer wieder stellt sich dabei die Frage nach der Abgrenzung zwischen den beiden Natursteinformen. In der DIN EN 12057 Natursteinprodukte - Fliesen - Anforderungen und der DIN EN 12058 Natursteinprodukte - Bodenplatten und Stufenbeläge – Anforderungen gibt es hierzu jedoch klare Hinweise: Auf die Materialstärke kommt es an. Von einer Natursteinfliese spricht man bis zu einer Dicke von 12mm, alle Werkstücke, die darüber liegen, werden als Natursteinplatte bezeichnet.

Maßtoleranzen für Natursteinfliesen

Nicht immer darf davon ausgegangen werden, dass Natursteinfliesen auch kalibriert sind. Dies ist zwar in der Regel der Fall, wenn es sich bei dem Produkt um ein in großen Mengen hergestelltes Serienprodukt handelt, Fliesen ohne Kalibrierung sind jedoch ebenfalls auf dem Markt erhältlich. Der Unterschied zwischen kalibrierter und nichtkalibrierter Natursteinfliese liegt in der Maßtoleranz, die bei +/- 0,5mm bei kalibrierten beziehungsweise +/- 1mm für die Abmaße und +/- 1,5mm für die Dicke bei nichtkalibrierten Natursteinfliesen liegt.

Natursteinfliesen verlegen

Bei der Verlegung von Natursteinfliesen und -platten sind einige Besonderheiten zu beachten. So kann bei unkalibrierten oder spaltrauen Fliesen eine Verlegung im Mittelbett erforderlich sein, um die Toleranzen aus Fliesenstärke und Unterkonstruktion auszugleichen. Durchscheinende Natursteine wie Marmor sollten generell mit einem weißen Kleber und mit einer Grundierung verlegt werden. Als Verfahren wird vorzugsweise das Buttering-Floating-Verfahren eingesetzt, bei dem Fliese wie Untergrund mit Mörtel beziehungsweise Kleber bestrichen werden. Dadurch wird vermieden, dass die durch den Zahnspachtel erzeugten Rillen durch die Fliese durchscheinen.

Vor allem Natursteinfliesen aus stark variierendem Material wie Onyx sollte vor dem Verlegen vorsortiert werden. Für ein harmonisch wirkendes Verlegebild müssen Farbspiel und Strukturverlauf beachtet werden.