Alles, was Sie über Fugen wissen sollten

Als Fugen werden generell die Zwischenräume von aneinander angrenzenden festen Bauteilen bezeichnet. Beim Verlegen von keramischen Wand- und Bodenbelägen sind Fugen in der Regel aus gestalterischen Gründen beabsichtigt, ergeben sich aber auch aus den Toleranzanforderungen. Diese wiederum hängen von der Art der Fliese oder Platte ab.

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Arten von Fugen

Im Bereich der Fugen wird zwischen offenen und geschlossenen Fugen unterschieden. Im Zusammenhang mit Fliesen und Platten kommen verschiedene Fugenarten zum Einsatz, die jeweils unterschiedliche Aufgaben erfüllen:

Dehnungsfugen oder Bewegungsfugen

Dehnungsfugen oder Bewegungsfugen dienen zur Unterbrechung zwischen verschiedenen Bauteilen und fangen unterschiedliche Ausdehnungen ab. Diese Fugen müssen offen bleiben, dürfen aber überdeckt werden. Im Bereich der keramischen Beläge bildet zum Beispiel die Abschlussfuge des Fliesenbelags an der Wand eine Dehnungsfuge. Gleichzeitig sind diese Fugen, die den Übergang von Wand- zu Bodenbelag bilden, auch Wartungsfugen. Sie werden in der Regel mit Silikon oder anderen elastischen Dichtstoffen verfüllt und müssen in Abständen erneuert werden. Auch am Übergang zwischen zwei Räumen oder bei unregelmäßigen Raumformen werden Dehnungsfugen eingesetzt. Bewegungsfugen zwischen zwei Räumen werden im Allgemeinen im Bereich der Türöffnung angelegt.

Feldbegrenzungsfugen

Feldbegrenzungsfugen innerhalb des Fliesenbelags müssen bis zum tragenden Untergrund reichen. Sie werden ebenfalls mit elastischen Dichtstoffen ausgeführt und sind im Abstand von 3,0m (horizontal) und 6,0m (vertikal) anzuordnen.

Geschlossene Fugen

Dort wo keine Bewegung zu erwarten ist, wie zum Beispiel im Verbund eines Fliesenbelags, werden die Fugen geschlossen, das heißt starr, ausgebildet. Verwendet werden hier in den meisten Fällen mineralische Fugenmörtel, die hydraulisch abbinden. Der Fugenmörtel kann Formveränderungen bis zu 25% aufnehmen, ohne dass Risse oder andere Schäden entstehen.

Alle Fugen innerhalb eines keramischen Belages sorgen außerdem für eine hygienische und dichte Oberfläche ohne schwer zugängliche Ritzen. Die einzelnen Fliesen werden über die Fugen kraftschlüssig verbunden. Herstellungsbedingte Maßtoleranzen werden durch die Fugen ebenfalls ausgeglichen und es entsteht ein einheitliches Fugen- und Fliesenbild mit ebener Oberfläche.

Fachgerecht verfugen

Bereits beim Verlegen der Fliese wird die Fugenbreite angelegt, für ein gleichmäßiges Fugenbild sorgen eingelegte Fugenkreuze aus Kunststoff. Sind die Fliesen verklebt, dann wird der Fugenmörtel flächig aufgetragen, für das Verfugen von Bodenbelägen kann der Fugenmörtel eine fließfähige Konsistenz aufweisen. Fugenmörtel für die Wandverfugung ist entsprechend fester anzurühren. Der Mörtel wird abschnittsweise verteilt und so lange eingeschlämmt, bis alle Fugen optisch gleichmäßig verfüllt sind. Nach einer materialbedingten Trocknungszeit werden die Mörtelreste mit einem Schwammbrett von den Fliesen abgewaschen, zurück bleiben die sauber verfüllten Fugen. Um eine vollständige Verfüllung zu erzielen, wird stets diagonal zur Fuge gearbeitet. Sollen Wandfliesen möglichst schmal verfugt werden, ist ein besonders feiner Fliesenmörtel erforderlich.

Fugenkleber richtig auswählen

Bei der Auswahl des Fugenmörtels ist insbesondere auch der Untergrund zu beachten. Herkömmlicher Fugenmörtel kann auf allen biegesteifen Untergründen verwendet werden. Für wasserundurchlässige Fugen zum Beispiel in Spritzwasserbereichen oder für Fliesen, die auf elastischen Untergründen verklebt werden, verwendet man flexiblen Fugenmörtel. Je breiter die Fuge umso höherwertiger und rissresistenter muss auch der verwendete Fugenmörtel sein. Erhöht wird die Elastizität zum Beispiel durch ein nachträglich zugesetztes Additiv. Für das Verfugen von Natursteinplatten wird Fugenmörtel verwendet, der speziell auf die Anforderungen zur Farbgebung eingeht und eine hohe Elastizität gewährleistet.

Mittlerweile sind auch selbstverlaufende Fugenmörtel erhältlich. Der Mörtel ist ist fließfähig und füllt die Fuge ohne Hohlräume. Besonders geeignet sind diese Produkte für unkalibrierte Fliesen sowie raue oder besonders empfindliche Fliesen und Platten.

Fugenlose Verlegung

Die fugenlose Verlegung für Bodenbeläge ist mit genau kalibrierten Fliesen zwar theroretisch möglich, in Deutschland jedoch nicht gestattet. Begründet wird dies damit, dass die Fugen nötig sind, damit eventuelles Restwasser im Untergrund abtrocknen kann und Schäden durch Feuchtigkeit vermieden werden. Weiterhin nehmen die Fugen beziehungsweise der Fugenmörtel Spannungen aus den Fliesen auf und leiten diese ab. Dieser Effekt entfällt bei der fugenlosen Verlegung. Schließlich sprechen auch hygienische Aspekte gegen eine fugenlose Verlegung. In den feinen Ritzen, die auch bei genauester Kalibrierung zwischen den Fliesen verbleiben, können sich Schmutz und Keime ansammeln, die sich nur schwer wieder entfernen lassen. 

Raumgestaltung durch Fugenpläne

Im privaten Bad oder WC ist ein Fugenplan nicht zwangsläufig erforderlich. Werden jedoch große Flächen gefliest oder großformatige Fliesen und Platten verwendet, kann ein gut geplantes Fugenbild einen wichtigen Beitrag zur Raumgestaltung leisten. Darüber hinaus werden im Fugenplan auch Dehnungs- und andere wichtige Fugen festgelegt, die die Gebrauchsfähigkeit und Schadensfreiheit des Belages gewährleisten.

Das Fugenbild einer Verlegung mit keramischen Belägen bezeichnet die Anordnung der Fugen im Belag. Nach wie vor die klassische Variante im Bereich der Wand- und Bodenfliesen ist die Kreuzfuge, bei Weiterführung der senkrechten Fuge an der Wand auch Fugenschnittverlegung genannt. Immer beliebter werden Verbandverlegungen wie Halbverband, Drittelverband oder Wilder Verband. Werden unterschiedliche Fliesenformate verwendet, lassen sich durch die Wahl des Verbandes attraktive optische Effekte erzielen. 

Fugenreinigung

Im Laufe der Zeit sammeln sich in den Fugen Verschmutzungen an, die durch einfaches Abwischen nicht mehr entfernt werden können. Für die Reinigung der Fugen können chemische Reinigungsmittel verwendet werden, die sehr wirksam sind, allerdings auch die Umwelt und das Wasser unnötig belasten. Eine umweltfreundliche Methode, die ganz und gar ohne zusätzliche Reinigungsmittel auskommt, besteht in der Dampfreinigung. Durch den heißen Wasserdampf löst sich der Schmutz in den Fugen und kann anschließend leicht abgewischt werden. Sind die Fugen so stark verfärbt, dass eine Reinigung nicht möglich ist, sollte das Fugenmaterial im Rahmen einer Sanierung entfernt und durch neuen Fugenmörtel ersetzt werden.

Fugenbreiten und Toleranzmaße

Fugen haben unter anderem die Aufgabe, Maßtoleranzen der Fliese auszugleichen. Je nach Format und Fliesenart sind unterschiedliche Fugenbreiten empfohlen, auch die erlaubten Toleranzen variieren.

Trockengepresste Fliesen wie zum Beispiel Feinsteinzeug werden mit folgenden Fugenbreiten verlegt:

  • Kantenlänge bis 100mm: Fugenbreite von ca. 2mm
  • Kantenlänge bis 200mm: Fugenbreite von ca. 3mm
  • Kantenlänge bis 300mm: Fugenbreite von ca. 4mm

Stranggezogene Platten und handgeformte Fliesen werden bei Kantenlängen über 115mm mit Fugenbreiten zwischen 5 und 10mm verlegt.

Generell werden für Wandfliesen schmälere Fugen gewählt als für keramische Bodenbeläge, in jedem Fall müssen Dehnungs- und Anschlussfugen mit eingeplant werden.

Um bei der Fliesen- und Plattenherstellung innerhalb der erlaubten Maßtoleranzen zu bleiben, werden die einzelnen Werkstücke kalibriert. Gemeint ist damit der exakte Zuschnitt von Natursteinfliesen oder auch gebrannten Fliesen auf das vorgegebene Fertigungsmaß und mit exakten 90 Grad Winkeln. Eine genaue Kalibrierung erlaubt geringere Fugenbreiten, da die Maßabweichungen geringer ausfallen. Ebenfalls im Handel zu finden sind unkalibrierte Fliesen, meist zu erkennen an der Fase, die deutlich breitere Fugen nach sich zieht. Unkalibriert bleiben generell rustikale und handgeformte Fliesen, Fliesen mit abgerundeten Ecken oder auch Polygonalplatten.