Keramische Wand- und Bodenbeläge

Bereits im Mittelalter wurden keramische Beläge in Deutschland als Bodenbelag oder für die Umrandung von Kaminen eingesetzt. Mit der Industrialisierung wurde die Herstellung von Fliesen und Platten aus keramischen Grundstoffen rationalisiert und der Baustoff wurde zunehmend erschwinglicher.

Mittlerweile haben sich verschiedene Formen entwickelt. Die Herstellung von Fliesen und Platten aus keramischen Werkstoffen erfolgt größtenteils in Fabriken, zum Teil aber nach wie vor in Handwerksbetrieben, die kleinere individuelle Serien herstellen.

Grundstoff für keramische Fliesen und Platten sind Tone, die geformt und anschließend gebrannt werden.

Einteilungskriterien für Fliesen und Platten

In der europäischen DIN EN 14411 sind die Fliesen und Platten nach verschiedenen Kriterien eingeteilt. Unterschieden werden zwei Klassifizierungsverfahren:

Einteilung nach dem Formgebungsverfahren

Bei der Einteilung nach dem Formgebungsverfahren wird zwischen stranggepressten Fliesen und Platten (Verfahren A) sowie trockengepressten Fliesen und Platten (Verfahren B) unterschieden. 

Einteilung nach Wasseraufnahme

Die Einteilung nach Wasseraufnahme kennt drei Gruppen, die sich im Grad der Wasseraufnahmefähigkeit unterscheiden. Innerhalb der Gruppen wird zusätzlich nach Formgebungsverfahren klassifiziert.

Einteilung nach den Eigenschaften

Die Eigenschaften keramischer Beläge werden durch die Rohstoffmischung, bzw. die Korngröße und die Brenntemperatur sowie durch die Wasseraufnahmefähigkeit bestimmt. Dementsprechend erfolgt die Einteilung in verschiedene Gruppen:

Grob- oder Feinkeramik

Je nach Korngröße gehören die keramischen Produkte zur Grob- oder Feinkeramik. Alle Fliesen für Wand- und Bodenbeläge werden als Feinkeramik bezeichnet. Grobkeramik, dazu gehören zum Beispiel Klinker- und Ziegelplatten, wird häufig auch als Platten bezeichnet, dies gilt ebenso für ungebrannte Beläge oder Natursteinerzeugnisse. 

Steinzeug- und Feinsteinzeugfliesen

Steinzeug- und Feinsteinzeugfliesen und -platten besitzen geschlossene Poren und damit eine geringe Wasseraufnahmefähigkeit unter 3%. Sie sind frostbeständig und als glasierte sowie unglasierte Ware erhältlich. Steinzeug kann im Innen- und Außenbereich eingesetzt werden und verfügt aufgrund seiner Struktur über eine hohe mechanische Belastbarkeit. Deshalb ist Steinzeug auch für Bodenbeläge geeignet.

Steingut

Als Steingut werden Fliesen mit feinkörniger und poröser Struktur bezeichnet. Sie werden im Trockenpressverfahren hergestellt und anschließend glasiert. Durch die Porosität lassen sich Steinguterzeugnisse leicht brechen und schneiden. Steingut ist nicht frostbeständig und kann deshalb ausschließlich im Innenbereich und dort aufgrund der geringen mechanischen Belastbarkeit in der Regel nur als Wandbelag eingesetzt werden.

Terracottafliesen oder Cottoplatten

Terracottafliesen oder Cottoplatten bestehen aus gebranntem Ton, der je nach Abbauregion in seinen Eigenschaften variiert. Hergestellt werden die Platten aufwendig im Strangpressverfahren. Nach dem Brand sind die fertigen Platten atmungsaktiv und können die Raumluftfeuchtigkeit natürlich regulieren. In unbehandeltem Zustand ist die Oberfläche durch die hohe Porosität sehr empfindlich, deshalb werden die Cottoplatten in der Regel versiegelt. Eingesetzt werden die Tonplatten im Innenbereich als Boden- oder Treppenbelag. 

Mosaikfliesen

Fliesen mit einer Oberfläche kleiner als 90cm² werden – unabhängig vom Material – als Mosaikfliesen oder -tafeln bezeichnet. Die kleinteiligen Fliesen werden in der Regel industriell gefertigt und sind in unterschiedlichen Formen und Kantenlängen erhältlich.

Abgrenzung zwischen Wand- und Bodenbelägen

Besonders an Bodenbeläge werden hohe Anforderungen gestellt, insbesondere hinsichtlich Abriebfestigkeit, mechanischer Belastbarkeit und Rutschhemmung. Geeignete keramische Bodenbeläge finden sich unter den Steinzeug- sowie den Cottofliesen. Steingutbeläge hingegen sind aufgrund der geringeren Belastbarkeit nur in Ausnahmefällen geeignet. Keramische Bodenbeläge werden in verschiedene Abriebgruppen unterteilt, die gleichzeitig die Einsatzgebiete bestimmen:

  • Gruppe I: für den Barfuß- und Hausschuhbereich in Sanität- oder Schlafräumen geeignet
  • Gruppe II: für leichte Beanspruchung im privaten Wohnungsbau mit niedriger Begehung und geringer Verschmutzung
  • Gruppe III: für mittlere Beanspruchung und Verschmutzung mit normalem Schuhwerk im privaten Wohnungsbau sowie im Nichtwohnungsbau mit vergleichbarer Beanspruchung
  • Gruppe IV: für hohe Beanspruchung bei stärkerer Begehung mit normalem Schuhwerk, zum Beispiel in Fluren oder Verkaufs- und Wirtschaftsräumen von Nichtwohngebäuden
  • Gruppe V: für höchste Beanspruchung bei starkem Publikumsverkehr und auf extrem belasteten Flächen wie Friseurläden, Bäckereien, Eingangshallen von öffentlichen Gebäuden oder Garagen

Die Gruppen I und II sind kaum noch gefragt, im privaten Wohnungsbau werden meist durchgängig Beläge mit der Abriebgruppe III eingesetzt.

Bei den Wandfliesen kommt es dagegen mehr auf die Optik als auf bestimmte Eigenschaften an. In der Regel sind die keramischen Beläge glasiert und damit beständig und leicht zu reinigen. Für das Verkleben wird bei normalen Untergründen das sogenannte Floatingverfahren angewandt, bei dem der Dünnbettmörtel auf die Wand aufgebracht wird. In das feuchte Mörtelbett werden die Fliesen eingedrückt und anschließend ausgerichtet. 

Fliesenformate – Großformate im Trend

Für Fliesenformate gibt es keine Normierung, so dass sich eine große Vielfalt auf dem Markt etabliert hat. Standardformate gibt es demzufolge nicht. Hinsichtlich der Bezeichnung hat sich der Fachverband „Fliesen und Naturstein“ dahingehend festgelegt, dass Fliesen ab einer Fläche von 0,25m² als großformatig bezeichnet werden.

Die Entwicklung geht aktuell im Wohnungs- wie auch im Nichtwohnungsbau hin zu großen Formaten, bei großen Flächen beherrschen nach wie vor die Formate 30 x 30cm und 60 x 30cm den Markt. Kleinformate werden vor allem in stark verwinkelten Verlegebereichen, für Sonderformen oder als Abschlussfliesen eingesetzt. Zur leichteren Verlegbarkeit sind die Fliesen meist zu größeren Einheiten auf einer Netzgrundlage verklebt., neben der traditionell rechteckigen Form sind die Kleinformate mit Kantenlängen von 2 bis 8cm auch rund, oval oder in Tropfenform erhältlich. 

Fliesen verlegen – Verfahren und Systeme in großer Vielfalt

So umfangreich wie das Fliesensortiment selbst, so vielfältig sind auch die Verlegeverfahren. Besonders die neuen, sehr dünnen Fliesenprodukte werden über spezielle Verlegehilfen, sogenannte Nivelliersysteme, verlegt.

Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von weiteren Verfahren, die je nach Fliese und Untergrund variieren:

  • Bei der Buttering-Floating-Methode wird der Dünnbettmörtel auf Fliese und Untergrund aufgebracht, dies verringert die Hohlraumbildung unter dem Belag.
  • Fliesen mit verschiedenen Dicken oder Reparaturfliesen werden im Buttering-Verfahren verlegt, bei dem der Fliesenmörtel lediglich auf die Fliese aufgetragen wird.
  • Die Dickbettverlegung war früher Standard und wurde durch Klebemörtel weitgehend ersetzt. Der Auftrag eines dicken Mörtelbettes bietet sich jedoch nach wie vor bei stark unebenen Untergründen oder großflächigen Industrieböden an.
  • Klebemörtel wird beim Dünnbettverfahren eingesetzt. Vorteile der dünnen Mörtelschicht sind die einfache Verarbeitung und der geringe Wassereintrag ins Gebäudeinnere. Die Dünnbettverlegung kann in verschiedenen Verfahren durchgeführt werden, nämlich Floating, Buttering oder Floating-Buttering.
  • Dünnflüssiger Fließbettmörtel besteht aus Zement und Kunstharzdispersion und ermöglicht die Verlegung von Fliesen und Platten mit extrem dichtem Gefüge. Der selbstnivellierende Mörtel ist für leicht unebene Untergründe und die Verlegung von Natursteinen besonders gut geeignet.
  • Beim Floating-Verfahren wird der Dünnbettmörtel in zwei Lagen auf den Untergrund aufgetragen. Dieses Klebeverfahren gilt als das schnellste und wird unter normalen Bedingungen bevorzugt angewandt.
  • Die Mittelbettverlegung ist der Kompromiss zwischen Dickbett- und Dünnbettverfahren. Wenig Anmachwasser und gute Ausgleichsmöglichkeiten sind darin vereint. 

Neben der festen Verlegung von Fliesen und Platten werden teilweise auch modulare Verlegesysteme eingesetzt. Dies vor allem dort, wo die Beläge nur für einen bestimmten Zeitraum verlegt werden oder bei der Sanierung. Dabei wird die Fliese mit einer Unterkonstruktion verbunden und schwimmend verlegt. Auf eine Verfugung kann zum Teil sogar verzichtet werden.