Fliesen schneiden und bearbeiten

Nur in wenigen Fällen kommt man beim Verlegen von keramischen Wand- und Bodenbelägen ohne Zuschnitte aus. Je nach Fliesenart sind verschiedene Schneidverfahren ideal, um die Fliese in die richtige Form beziehungsweise die richtige Größe zu bringen. Hinsichtlich der Schnittkanten und Bruchstellen gibt es ebenfalls verschiedene Punkte zu beachten.

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Die Auswahl des Fliesenschneiders

Ungeeignetes Werkzeug führt beim Fliesenschnitt zu unsauberen Schnittkanten und unschönen Abplatzungen. Eines der wichtigsten und grundsätzlich nötigen Werkzeuge zum Schneiden von Fliesen und Platten ist der Fliesenschneider, der eigentlich ein Fliesenbrecher ist. Es gibt dieses Gerät in verschiedenen Varianten:

Manueller Fliesenschneider

Bei der Verwendung eines manuellen Fliesenschneiders mit Führungsschiene wird die Fliesenglasur mit einem Hartmetallrädchen eingeritzt. Die dadurch entstandene Sollbruchstelle dient als Führung für den anschließenden Bruch des Scherbens, der über eine am Fliesenschneider angebrachten Bruchschiene erfolgt. Fliesenschneider dieser Art sind in verschiedenen Größen erhältlich und können alle herkömmlichen keramischen Fliesen und Platten bis zu einer Kantenlänge von 150cm schneiden beziehungsweise brechen. An der Bruchstelle entsteht eine recht saubere Kante. Nicht geeignet ist das Gerät für Natursteinfliesen, sind die Scherben dicker als 1,5cm kann es zu Abplatzungen und anderen Problemen beim Brechen kommen. Eine Variante stellt der Kurvenschneider dar, der in der Lage ist, wellenförmige Bruchkanten zu erzeugen. 

Elektrischer Fliesenschneider

Elektrische Fliesenschneider mit Diamantblatt arbeiten mit dem Nassschnitt. Die Fliese wird mit einer diamantsplitterbesetzten Hartmetallscheibe (Diamantscheibe) komplett durchschnitten. Um Reibungshitze zu vermeiden, die die Lebensdauer der Scheibe stark reduziert, wird dieser Schnitt als Nassschnitt durchgeführt. Aus einem Wasserbecken unterhalb des Auflagetisches wird das Wasser über eine Pumpe auf die Scheibe gespritzt. Neben der Kühlfunktion verhindert die Feuchtigkeit die Staubentwicklung. Profigeräte sind in verschiedenen Ausführungen erhältlich, so zum Beispiel mit beweglichem Tisch oder beweglichem Schneidblatt. Weiterhin gibt es starr ausgeführte Kleingeräte für kleinere Fliesenformate und geringere Dicken. Mit den professionellen Fliesenschneidern können auch dickere Fliesen und Natursteinfliesen getrennt werden. Allerdings muss die Fliese nach dem Schnitt und vor der Verlegung erst abtrocknen, die Geräte sind groß und teuer und ihre Reinigung ist recht aufwändig. 

Handgeführter Fliesenschneider

Handgeführte Fliesenschneider sind für kleinformatige und dünne Wandfliesen geeignet. Für einen genauen Schnitt muss zusätzlich eine Führungsschiene angelegt werden. Im handwerklichen Bereich kommt dieses Gerät trotz seiner eingeschränkten Möglichkeiten wieder häufiger zum Einsatz, nämlich für die neuen extrem dünnen Fliesen mit einer Dicke von etwa 3mm.

Herausforderung Ausschnitte

Ausschnitte stellen eine große Herausforderung dar und müssen fachgerecht ausgeführt werden, damit keine Schäden an der Fliese entstehen. Gute Ergebnisse erzielt man, wenn für den Ausschnitt ein Einhandwinkelschleifer mit spezieller Fliesen-Diamanttrennscheibe eingesetzt wird. Auf der Fliesenrückseite wird ein Kreuzschnitt angesetzt, mit einem Fliesenhammer wird der Scherbe von der Mitte des Schnitts aus vorsichtig ausgeschlagen. Ist ein ausreichend großes Loch entstanden, dann kann der Ausschnitt mit der Fliesen-Papageienzange Stück für Stück präzisiert werden, bis möglichst gleichmäßige und passgenaue Kanten entstanden sind. Feingefühl, Geduld und das richtige Maß an Krafteinsatz entscheiden hier über den Erfolg. Moderner und deutlich genauer lassen sich Ausschnitte mit der Wasserstrahltechnik herstellen.

Wasserstrahlschneiden – innovative Fliesenbearbeitung

Die Wasserstrahlschnitttechnik, auch Jet-Cutting genannt, wird in vielen Gebieten eingesetzt und ist auch zum Schneiden von Fliesen geeignet. Dazu wird dem Wasser Schleifsand als Abrasiv zugesetzt. Bis zu 15 Meter pro Sekunde können mit dieser Technik geschnitten werden. Unkompliziert, sauber und mit geringem Kantenverschnitt werden die Fliesen exakt in die gewünschte Form gebracht. Durch die vorhandene Wasserkühlung ist die Bearbeitung der Fliese schonend und damit schadensfrei. Die Vorteile dieses Schnittverfahrens ermöglichen feinstes und genaues Arbeiten. So können individuelle Einzelstücke ebenso gestaltet werden wie Einlegearbeiten aus Feinsteinzeug, Schriftzüge oder auch ganze Fliesenserien. Die Wasserstrahlanlagen werden von entsprechenden Dienstleistern bereitgestellt, so dass eine Eigenanschaffung in der Regel nicht erforderlich ist. Per Wasserstrahl können auch Ausschnitte in die Fliese gefügt werden, die sonst per Bohrung hergestellt werden müssen. Runde Abschlüsse oder schwierige Anschlüsse lassen sich deutlich leichter realisieren. Durch die Möglichkeit, sehr fein zu arbeiten, ist auch der genaue Zuschnitt von Mosaikfliesen auf Netz möglich.

Fliesengestaltung durch Sandstrahlen

Das Sandstrahlen ist eine lange bewährte Technik, um Fliesen mit Ornamenten und Mustern zu gestalten. Per Kompressor wird Sand aus einem Sammelbehälter mit hohem Druck auf die Fliese geführt. Der Sand schleift an diesen Stellen die Glasur ab. Bereiche, die nicht sandgestrahlt werden sollen, müssen dabei gründlich abgedeckt werden. Das Verfahren des Sandstrahlens wird weiterhin eingesetzt, um die Fliesenoberfläche aufzurauen und die Rutschhemmung zu verbessern. Dies ist besonders bei keramischen Bodenbelägen wichtig. Die Sandstrahltechnik wird dazu vor der Verlegung angewandt, gleiches gilt für das Lasergravurverfahren oder die Flusssäurebehandlung, die ebenfalls zur Verbesserung der Rutschhemmung angewandt werden. 

Fliesen mit der Lasergravurtechnik bearbeiten

Mit der Lasergravurtechnik können herkömmliche Standardfliesen individualisiert werden. Per Laser werden feine Ornamente und Muster in die Fliesenoberfläche graviert. Sichtbar werden diese feinen Linien nur durch die abweichende Lichtbrechung. Da die harte Sinterschicht, also der Scherben an sich, nicht angerührt wird, bleibt die Fliese hart und unempfindlich und lässt sich nach wie vor leicht reinigen. Grenzen in der Gestaltung mit der Lasergravur ist nur hinsichtlich der Farben gesetzt, alle Eingravierungen werden monochrom vorgenommen. Durch nachträgliches Einfärben lassen sich besondere Effekte erzielen, allerdings ist diese Gestaltungsvariante auf Grund der geringen Abriebfestigkeit der Farben nur für Wandbeläge geeignet. Sollen farbige Motive und Effekte entstehen, wird meist die Methode der Bedruckung angewandt.

Wie perfekt das Resultat der Lasergravur wird, hängt in hohem Maß von der Fliese ab. Für dieses Verfahren geeignet sind Steingut- und Steinzeugfliesen mit Glasur. Besonders sauber wirkt die Gravur auf Feinsteinzeugfliesen. Spezialfliesen, sogenannte „Lasertiles“ werden mit einem CO2-Laser graviert und ermöglichen besonders gute Ergebnisse. Mit dem Laser kann nicht nur graviert werden, auch die Mattierung der Glasur ist Oberfläche. Die herkömmlichen Verfahren wie die Mattierung mit Flusssäure oder Bestrahlung ist materialaufwendig und zum Teil auch belastend für Umwelt und Gesundheit. Mit der Lasergravur entfallen diese Nachteile. Über einen Scannerspiegel wird der Laserstrahl auf die Oberfläche umgeleitet und die Fliesenfläche verdampft. Die entstehenden Strukturen bewirken die Mattierung.